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19.09.2016

"Die Kirchen in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus": 10.10.2016 in Berlin

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in Deutschland konstituiert sich momentan eine neue rechte Bewegung, die Rassismus mit antidemokratischen Ressentiments verbindet, und auch in der Mitte der Gesellschaft Anklang findet. Für die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände stellt dies eine große Herausforderung dar: Die Ziele der rechten Bewegung stehen in direktem Widerspruch zu ihrem Engagement für Flüchtlinge und für eine offene Gesellschaft. Gleichzeitig finden weiterhin zahlreiche Angriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte statt, geraten auch UnterstützerInnen der Flüchtlinge unter Druck.
Die Diakonie Deutschland lädt Sie deshalb gemeinsam mit dem BDKJ und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus zur Veranstaltung

"Die Kirchen in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus"

am 10. Oktober 2016, 9.30 bis 15.00 Uhr in Berlin im Haus des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung in der Caroline-Michaelis-Str. 1, 10115 Berlin.


Zugesagt für einzelne Beiträge haben u.a. der Journalist Toralf Staud, Grit Hanneforth vom Kulturbüro Sachsen, sowie Vertreterinnen und Vertreter aus den Kirchen.

Das genaue Programm mit allen relevanten Daten findet sich im Anhang.

Auf der Veranstaltung soll einerseits eine Analyse der Bedrohung stattfinden, andererseits aber auch gefragt werden, wie aus dem kirchlichen Raum angemessen darauf reagiert werden kann.

Anmeldung und Abmeldung:
Diese wird bis 4. Oktober per formloser Mail an
mirjam.appel@diakonie.de erbeten. Sie erhalten eine
Anmeldebestätigung nach Anmeldeschluss. Eine Abmeldung
(bei vorheriger Anmeldung) wird aus organisatorischen
Gründen ebenfalls erbeten.

19.09.2016

In eigener Sache: "Kirche stärkt Demokratie" wird künftig vom Kirchenkreis Mecklenburg getragen

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Güstrow/Rostock (cme). „Kirche stärkt Demokratie“: Das 2011 gestartete Projekt soll ab dem kommenden Jahr bis Ende 2019 in Trägerschaft des Kirchenkreises Mecklenburg seine Arbeit fortsetzen – vorausgesetzt, der Bund fördert finanziell wie bisher. Dies beschlossen die Mitglieder des Kirchenkreisrates auf ihrer jüngsten Beratung in Güstrow.

Das maßgeblich von Karl-Georg Ohse verantwortete Projekt arbeitet seit 2011 aktiv für Demokratie und Menschenrechte in MV und darüber hinaus. Als bundesgefördertes Projekt wurde es von der damaligen mecklenburgischen Landeskirche konzipiert und mit Gründung der Nordkirche 2012 vom Hauptbereich 1 weiter verantwortet, der seine Aufgabenfelder derzeit neu ausrichtet.

„Mit der Übernahme des Projektes können wir ein erprobtes Angebot an der Schnittstelle zwischen Gemeindeberatung, Flüchtlingsarbeit, politischer Bildung und  Gemeinwesenarbeit weiter nutzen“, sagt der Vorsitzende des Kirchenkreisrates, Propst Dr. Karl-Matthias Siegert. In den vergangenen Jahren seien so eine Reihe von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden „zu Demokratieberatern ausgebildet worden, die in den Kirchengemeinden und in ihrem Ort in der Lage sind, sich mit Rechtsextremismus und demokratiefeindlichen Akteuren auseinanderzusetzen und Handlungsstrategien zu erarbeiten“. Künftig sollen laut Propst Siegert u. a. noch gezielter Kirchengemeinderäte beraten und geschult werden.

Darüber hinaus bietet das Projekt Fortbildungen, Hilfe in Konflikten zum Thema Rechtsextremismus, soziokulturelle Angebote und Gemeindeveranstaltungen an. Zudem kooperiert „Kirche stärkt Demokratie“ bereits mit der Ehrenamts-  und der Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis und ist seit längerem schon beim Projekt „Starke Stücke. Berührt und diskutiert“ mit dabei, das derzeit zum fünften Mal in Dorfkirchen und Pfarrscheunen mit auswählten Kinofilmen und Gesprächsangeboten zu Gast ist.

 

08.09.2016

„Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe“ – ein nützliches Nachschlagewerk

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Bente Gießelmann u.a. haben mit „Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriff“ herausgegeben, das über zentrale Begriffe aus dem gemeinten politischen Lager und deren ideologische und strategische Hintergründe informiert. Durch die einheitliche Struktur der einzelnen Beiträge ist ein nützliches Nachschlagewerk entstanden, das im Bereich der politischen Bildung wie der sozialwissenschaftlichen Forschung gut genutzt werden kann.
Auch Rechtsextremisten fordern Demokratie und Freiheit, auch Rechtsextremisten kritisieren den Kapitalismus und die USA. Derartige Bekundungen irritieren zunächst, verortet man derartige Positionen doch meist anders. Beim Blick darauf, was Rechtsextremisten damit jeweils meinen, entsteht ein ganz anderer Eindruck. Auch Akteure aus diesem politischen Lager bemühen sich um eine Besetzung, Instrumentalisierung und Umdeutung von politischen Begriffen. Darüber hinaus bestehen eigene politische Begriffe, die im Rechtsextremismus aufkamen und in die breitere Öffentlichkeit hinein getragen wurden. All dies ist Grund genug, sich näher mit solchen Worten zu beschäftigen. Dies erfolgt meist im Kontext von Ideologieanalysen einzelner Gruppen oder Parteien, aber nur selten in systematischer Art und Weise. In diese Lücke stößt das von den Kultur- und Sozialwissenschaftlern Bente Gießlmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Leonard Suermann und Fabian Virchow herausgegebene „Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe“.

Einleitend werden zunächst fünf Typen von Begriffen unterschieden, Erläuterungen zum Diskursverständnis und Darstellungen zur extremen Rechten und deren Varianten geliefert. Dann skizzieren die Herausgeber das Konzept für die folgenden Kapitel, die sich auf fünfundzwanzig Begriffe aus dem Rechtsextremismus beziehen. Sie reichen von „Abendland“ und „Achtundsechzig“, „Dekadenz“ und „Demokratie“, „Deutschenfeindlichkeit“ und „Freiheit“ über „Gemeinschaft“, „Geschlechtergleichschaltung“, „Heldengedenken“, „Islamisierung“, „Jude“, „Kameradschaft“, „Kapitalismus“, „Nation“, „Nationaler Sozialismus“, „Natur“, „Political Correctness“, „Raum“ und „Rasse“ bis zu „“Schuld-Kult“ und „Umvolkung“, „USA“ und „Vertriebene“ und „Vorbürgerkrieg und „Zigeuner.“ Dabei hat jeder Autor für die Gestaltung ein vorgegebenes Schema bekommen: Nach einer kurzen Einführung geht es um Vertiefungen zu Funktionen und Verwendungsweisen, dann erfolgt noch ein Blick auf den jeweiligen Kontext und ein Fazit zum Schluss.

Den Herausgebern ist es gelungen, alle Autoren an diese Vorgaben zu binden. Daher hat man es mit einem einheitlich strukturierten Handbuch zu tun. Gleichwohl unterscheiden sich die einzelnen Beiträge dann doch im Detail der Differenzierung. So gibt es „Begriffe“, deren Anwendungen in den unterschiedlichen Bereichen des Rechtsextremismus gesondert dargestellt und kommentiert werden. Bei anderen Begriffen fehlt eine solche Unterscheidung und alles wird in einem Textblock zusammengeführt. Dies lässt die Differenzen dann verschwimmen, macht aber stärker die Gemeinsamkeiten deutlich. Erklärbar ist diese Besonderheit wohl schlicht und ergreifend dadurch, dass sich einige Autoren im Thema besser auskennen als andere Autoren. Bei den Letztgenannten findet man auch weniger Originalzitate und dann meist noch aus größeren zeitlichen Abständen. Dabei gerät mitunter die Entwicklung von manchen der untersuchten Phänomene aus dem Blick. Auch machen die Literaturangaben deutlich, dass nicht jeder Autor den aktuellen Forschungsstand kennt.

Gleichwohl hat man es mit einem nützlichen Nachschlagewerk zu tun. Die einheitliche Struktur der Beiträge trägt dazu maßgeblich bei. Auch finden kritische Erörterungen zu den ideologischen Hintergründen und politischen Zielsetzungen statt. Und schließlich geht es ebenfalls um den entfalteten Diskurs selbst, womit Folgewirkungen in der Öffentlichkeit ausgelöst werden sollen. Bedauerlich ist indessen, dass eine dezidierte demokratietheoretische Perspektive nicht selten fehlt. Es wäre hier sicherlich wünschenswert gewesen, wenn die Herausgeber als einen festen Unterpunkt zur Unterscheidung einer demokratischen von einer rechtsextremistischen Position mit aufgenommen hätten. Man könnte darüber hinaus noch bestimmte Begriffe wie „Antizionismus“, „Gutmenschen“ oder „Zinsknechtschaft“ vermissen, sie kommen nur kurz bei anderen Begriffen vor. Aber es muss auch immer eine Auswahl getroffen werden. Bedauerlich ist noch, dass in der Einleitung die Extremismustheorie in Kombination mit der „Mitte“ gebracht wird, was so nicht stimmt.

Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe
Bente Gießelmann/Robin Heun/Benjamin Kerst/Leonard Suermann/Fabian Virchow (Hrsg.)
Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts., 2016
364 Seiten, 24,80 Euro

Quelle: http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/rezensionen/artikel/handwoerterbuch-rechtsextremer-kampfbegriffe-ein-nuetzliches-nachschlagewerk.html